Wright


Wright
Wright
 
[raɪt],
 
 1) Frank Lloyd, amerikanischer Architekt und Architekturschriftsteller, * Richland Center (Wisconsin) 8. 6. 1869, ✝ Phoenix (Arizona) 9. 4. 1959; Schüler von L. H. Sullivan, für dessen Büro (Adler & Sullivan) in Chicago (Illinois) er bis 1893 arbeitete. In mehr als 300 privaten und öffentlichen Bauten realisierte Wright seine Grundideen von organischer Architektur. In seinen kubisch gestalteten Präriehäusern mit sparsamem Dekor in den Vororten von Chicago (mehrere Gebäude in Oak Park) gehen die Räume dynamisch ineinander über, und Terrassen und Gärten verbinden sich miteinander. Romantisches Einbeziehen der Landschaft kennzeichnet seine städtebaulichen Pläne und seine Wohnhäuser (Haus Taliesin bei Spring Green, Wisconsin, 1911, nach Bränden 1914 und 1925 wieder aufgebaut, mehrmals erweitert; Haus »Fallingwater« für Edgar J. Kaufmann in Bear Run, Pennsylvania, 1935-38). Statik und sachgerechte Verwendung der Baumaterialien (Stein, Stahl, Stahlbeton, Glas) bestimmen seine Büro- und Industriebauten (Johnson Wax Factory in Racine, Wisconsin, 1936-39 und 1944-50; Research Tower 1944). Zu seinen Hauptwerken gehört das Guggenheim-Museum in New York (1943 entworfen, 1956-59 gebaut), bei dem er auf Innenwände und ein herkömmliches Dach verzichtete und eine spiralförmige Rampe unter eine weite Glaskuppel stellte. In über 8 000 Zeichnungen zeigt sich Wright als ein kompromissloser Architekt, der für jeden Haustyp und jede Umgebung nach charakteristischen Lösungen suchte. Er gilt als der bedeutendste Architekt der USA in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts und wirkte auch in hohem Maß richtungweisend auf die europäische Architektur. 1995-97 wurde in Madison postum ein von Wright 1938 entworfenes Gebäude als Monona Terrace Convention Center erbaut.
 
Weitere Werke: Bauten: Larkin Administration Building in Buffalo, New York (1904-05; abgerissen); Unity Temple in Oak Park (1905-06); Haus Robie in Chicago, Illinois (1907-09; heute Institut für Internationale Angelegenheiten); Imperial Hotel, Tokio (1913-22; abgerissen); Haus Millard, Pasadena, Kalifornien (1921-23); Willey House, Minneapolis, Minnesota (1934); Price Tower, Bartlesville, Oklahoma (1955-56); Beth-Sholom-Synagoge, Elkins Park, Pennsylvania (1958-59); griechisch-orthodoxe Verkündigungskirche, Milwaukee, Wisconsin (1961).
 
Schriften: In the cause of architecture, in: Architectural Record, Band 23 (1908); The disappearing city (1932); An organic architecture, the architecture of democracy (1939); The natural house (1954); An American architecture (1955).
 
Autobiographisches: An autobiography (1932); A testament (1957).
 
 
F. L. W. Ausgeführte Bauten u. Entwürfe von F. L. W. (1910, Nachdr. 1986);
 R. C. Twombly: F. L. W. His life and his architecture (New York 31979);
 B. B. Pfeiffer: F. L. W.s ungebaute Architektur (a. d. Amerikan., 1987);
 B. B. Pfeiffer: F. L. W. Die Meisterwerke (a. d. Amerikan., 1993);
 W. A. Storrer: The architecture of F. L. W. (Neuausg. Cambridge, Mass., 1987);
 
The nature of F. L. W., hg. v. C. R. Bolon u. a. (Chicago, Ill., 1989);
 
F. L. W., bearb. v. B. Zevi (a. d. Ital., Zürich 31991);
 
F. L. W., architect, hg. v. T. Riley u. a., Ausst.-Kat. The Museum of Modern Art, New York (New York 1994);
 
Architekten - F. L. W., bearb. v. H. Fritsch (41995; Bibliogr.);
 A. T. Heinz: F. L. W. field guide, auf 4 Bde. ber. (London 1996 ff.);
 
F. L. W. Schriften u. Bauten, hg. v. E. Kaufmann u. B. Raeburn (a. d. Amerikan., Neuausg. 1997);
 F. L. W. - die lebendige Stadt, hg. v. D. G. De Long, Ausst.-Kat. Vitra Design Museum, Weil am Rhein (1998).
 
 2) Georg Henrik von, finnischer Philosoph, * Helsinki 14. 6. 1916; Professor in Helsinki, Cambridge und an der Cornell University (Ithaca, N. Y.), danach Forschungsarbeit an der Akademie von Finnland. Wright suchte die Erkenntnisse der induktiven Logik, Wahrscheinlichkeitstheorie und analytische Philosophie für die praktische Philosophie fruchtbar zu machen. Er begründete die deontische Logik (»Deontic logic«, in: »Mind«, Jahrgang 60, 1951), wobei er mit Forschungen zur Normenlogik und zum normativen Folgern die logisch-empiristische Tradition des Wiener Kreises und seines Lehrers Eino Kaila (* 1890, ✝ 1958) durchbrach. Handlungsphilosophisch hält er, anknüpfend an Aristoteles und die Spätphilosophie L. Wittgensteins, dem auf Einheitswissenschaft zielenden und methodisch an den kausal-erklärenden exakten Naturwissenschaften ausgerichteten Erkenntnisideal, bezogen auf die Wissenschaften vom Menschen, einen nicht auf beobachtbares Verhalten reduzierbaren, teleologisch und intentional zu verstehenden Handlungsbegriff entgegen. - Mitherausgeber des Nachlasswerks von Wittgenstein.
 
Weitere Werke: Norm and action (1963; deutsch Norm und Handlung); An essay in deontic logic and the general theory of action (1968); Explanation and understanding (1971; deutsch Erklären und Verstehen); Causality and determinism (1974); Wittgenstein (1982; deutsch).
 
Ausgaben: Erkenntnis als Lebensform. Zeitgenössische Wanderungen eines philosophischen Logikers (1994); Normen, Werte und Handlungen (1994).
 
 3) John Michael, englischer Maler schottischer Herkunft, * 1617, ✝ London 1694; hielt sich 1642-56 in Rom auf, wo er an der Accademia di San Luca studierte. Nach seiner Rückkehr trat er mit Bildnissen hervor, die ihn als einen der bedeutendsten englischen Porträtmaler des 17. Jahrhunderts neben P. Lely und G. Kneller ausweisen (»Sir Neil O'Neill of Killylagh«, um 1679; London, Tate Gallery).
 
 4) Joseph, genannt Wright of Derby [-əv 'dɑːbɪ], englischer Maler, * Derby 3. 9. 1734, ✝ ebenda 29. 8. 1797; Schüler von T. Hudson in London, hielt sich 1773-75 in Italien auf. Wright malte Porträts, Landschaften sowie Gesellschaftsstücke mit Darstellungen von wissenschaftlichen Experimenten, wobei Beleuchtungseffekte das Geschehen geheimnisvoll erscheinen lassen (»Das Experiment mit dem Vogel in der Luftpumpe«, 1768; London, Tate Gallery).
 
 
W. of Derby, hg. v. J. Egerton (London 1990).
 
 5) Joseph, englischer Philologe, * Thackley (Metropolitan County West Yorkshire) 31. 10. 1855, ✝ Oxford 27. 2. 1930; ab 1901 Professor in Oxford. Seine Arbeiten waren grundlegend für die wissenschaftliche Erforschung der englischen Sprache und Dialekte.
 
Werke: English dialect grammar. .. (1905); Old English grammar (1908, mit E. M. Wright).
 
Herausgeber: The English dialect dictionary. .., 6 Bände (1896-1905).
 
 6) Judith, australische Schriftstellerin, * Armidale 31. 5. 1915; studierte in Sydney, später Universitätsdozentin. In ihren Gedichten, die sich durch moderne Sprache, Bildlichkeit und komplexen gedanklichen Gehalt sowie souveräne Formbeherrschung auszeichnen, befasst sie sich mit der Spannung zwischen Geschichte, Urbevölkerung und Natur des australischen Kontinents sowie der Realität Australiens; verfasste auch Kinderbücher, Literaturkritik (»Going on talking«, 1992) und Essays.
 
Ausgaben: Preoccupations in Australian poetry (1965; Essays); Collected poems. 1942-1985 (1994).
 
Schweigen zwischen Wort und Wort, herausgegeben von H. Petersen (1990).
 
 
A. D. Hope: J. W. (Melbourne 1975).
 
 7) Orville, amerikanischer Flugpionier, * Dayton (Ohio) 19. 8. 1871, ✝ ebenda 30. 1. 1948, Bruder von 9), mit dem er bis zu dessen Tod eng zusammenarbeitete. Die Brüder Wright beschäftigten sich im Anschluss an O. Lilienthal und O. Chanute ab 1900 mit Flugversuchen. Anfangs erprobten sie ein Modellflugzeug im Fesselflug, und bis 1902 gelangen ihnen schon Gleitflüge bis zu 100 m Länge. Die dabei verwendete Kopplung von Seitenruder und Flügelverwindung als Vorstufe des Querruders für den Kurvenflug ließen sie sich 1904 patentieren. Anschließend befassten sie sich mit dem Motorflug, bauten selbst einen Vierzylinder-Viertaktmotor von etwa 12 PS für ihren ersten 355 kg schweren, mit zwei Luftschrauben arbeitenden Doppeldecker »Flyer I« und führten damit am 17. 12. 1903 in Kitty Hawk (North C.) geradlinig gerichtete Motorflüge von bis zu 255 m Länge in 59 s aus. Mit dem »Flyer II« gelangen ihnen 1904 die ersten Kurvenflüge, und 1905 flogen sie mit dem »Flyer III« ohne Steuerungsprobleme Strecken bis zu 45 km. Damit war die Möglichkeit des Motorflugs endgültig erwiesen. 1906 erhielten sie ein Patent auf ihren Flugapparat, und 1908 stellte Wilbur Wright ihn zunächst in Frankreich, anschließend in Deutschland und Großbritannien vor, während Orville Wright Demonstrationsflüge für amerikanische Militärs und Regierungsmitglieder durchführte. Orville Wright beschäftigte sich nach dem Tod seines Bruders fast ausschließlich mit wissenschaftlichen Arbeiten. - Der lange Zeit nicht angezweifelte und bis heute von amtlichen amerikanischen Stellen vertretene Anspruch der Brüder Wright auf den ersten Motorflug der Geschichte wird von manchen Luftfahrthistorikern zugunsten von G. Weisskopf bestritten.
 
Schrift: How we invented the airplane (herausgegeben 1953).
 
Ausgabe: The papers of Wilbur and O. Wright, herausgegeben von M. W. McFarland, 2 Bände (1953).
 
 
C. H. Gibbs-Smith: The W. brothers (London 1963);
 A. G. Renstrom: Wilbur and O. W. A bibliography (Washington, D. C., 1968);
 J. E. Walsh: One day on Kitty Hawk (New York 1975);
 
The W. brothers, heirs of Prometheus, hg. v. R. P. Hallion (Washington, D. C., 1979);
 H. Combs: Brüder des Winds. O. u. Wilbur W. - ihr Traum vom Fliegen (a. d. Amerikan., 1981).
 
 8) Richard Nathaniel, amerikanischer Schriftsteller, * bei Natchez (Miss.) 4. 9. 1908, ✝ Paris 28. 11. 1960; wuchs in Armut, als Afroamerikaner diskriminiert, in den Südstaaten auf, schlug sich mit Gelegenheitsarbeiten durch. Ab 1927 in Chicago (Illinois), wo er sich verstärkt autodidaktischer Studien widmete und zu schreiben begann, trat er 1932 der KP bei (Austritt 1944). 1937-46 in New York, verließ 1946 die USA und lebte ab 1947 in Paris. - In seinem ersten Buch, dem Erzählband »Uncle Tom's children« (1938, erweitert 1940; deutsch »Onkel Toms Kinder«), beschreibt er in naturalistischem Stil den Rassismus in den Südstaaten. Der Roman »Native son« (1940; deutsch »Sohn dieses Landes«; verfilmt 1950 mit Wright in der Hauptrolle) schildert, unter Verwendung naturalistischer und melodramatischer Elemente, die tödlichen Konflikte, die durch Rassismus und Armut unabwendbar entstehen; der große Erfolg der Geschichte des wegen unabsichtlicher Tötung zum Tod verurteilten Bigger Thomas bedeutete einen Durchbruch für Wright und die afroamerikanische Literatur. Wright schrieb auch sozialkritische Studien, in denen er eine Parallele zwischen der Entwurzelung der schwarzen Amerikaner und der Entfremdung des modernen Menschen herstellte (»White man, listen!«, 1957), sowie die Autobiographie »Black boy« (1945; deutsch »Black boy. Bericht einer Kindheit und Jugend«, auch unter dem Titel »Ich Negerjunge«), fortgesetzt in »American hunger« (herausgegeben 1977; deutsch »Schwarzer Hunger«).
 
Weitere Werke: Romane und Erzählungen: The outsider (1953; deutsch Der Mörder und die Schuldigen); The long dream (1958; deutsch Der schwarze Traum); Eight men (herausgegeben 1961; deutsch Der Mann, der nach Chikago ging); Lawd today (herausgegeben 1963).
 
Sozialkritik: Twelve million black voices. A folk history of the Negro in the United States (1941; deutsch u. a. als Schwarz unter Weiß - fern von Afrika); Black power (1954; deutsch Schwarze Macht); The colour curtain (1956); Pagan Spain (1957; deutsch Heidnisches Spanien).
 
Ausgabe: R. Wright reader, herausgegeben von E. Wright u. a. (1978).
 
 
C. Webb: R. W. A biography (New York 1968);
 R. Felgar: R. W. (Boston, Mass., 1980);
 J. A. Joyce: R. W.'s art of tragedy (Iowa City, Ia., 1986);
 M. Fabre: The world of R. W. (Jackson, Miss., 21987);
 
R. W., hg. v. H. Bloom (New York 1987);
 
New essays on »Native son«, hg. v. K. Kinnamon (Cambridge 1990).
 
 9) Wilbur, amerikanischer Flugpionier, * bei Millville (nahe New Castle, Indiana) 16. 4. 1867, ✝ Dayton (Ohio) 30. 5. 1912, Bruder von 7), mit dem er zeitlebens eng zusammenarbeitete.
 
 10) William, britischer Semitist, * in Indien 17. 1. 1830, ✝ Cambridge 22. 5. 1889; ab 1870 Professor in Cambridge. Er edierte arabische und syrische Texte, bearbeitete seine englische Übersetzung von Carl Paul Casparis (* 1814, ✝ 1892) arabische Grammatik (»Grammatica arabica in usum scholarum academicarum«, 2 Teile, 1844-48) zu einem selbstständigen Werk (»A grammar of the Arabic language«, 2 Bände, 1859-62) und beschrieb die syrischen und äthiopischen Handschriften des Britischen Museums.

Universal-Lexikon. 2012.

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